Richtlinien für Konsiliarapotheker
 
Erlass des BMGU vom 5.5.1977, Zl. 51.300/2-9/1976, idF des Erlasses des BMGU vom 21. Juli 1980, ZI. 11-51.3OO/1-9b/80
 
(Anmerkung: Der Erlass ist aus fachlicher und rechtlicher Sicht aktualisierungsbedürftig. Bitte beachten Sie, dass auch die zitierten Gesetzes- und Verordnungsstellen nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen).

Gemäß § 20 Abs. 4 und 5 des Krankenanstaltengesetzes, BGBI. Nr. 1/1957, in der geltenden Fassung, und den entsprechenden Bestimmungen in den Ausführungsgesetzen der Länder haben öffentliche Krankenanstalten, die keine Anstaltsapotheke betreiben, Konsiliarapotheker zu bestellen, wenn durch die beliefernde Apotheke die Erfüllung der in Abs. 5 genannten Aufgaben nicht gewährleistet ist. Die Bestellung bedarf der Genehmigung der Landesregierung. Zum Konsiliarapotheker darf nur ein Magister der Pharmazie bestellt werden, der die Berechtigung zur Ausübung der fachlichen Tätigkeit im Apothekenbetrieb nach erfolgter praktischer Ausbildung erlangt hat und zumindest im überwiegenden Ausmaß in einer inländischen Apotheke tätig ist. Gemäß Abs. 5 dieser Gesetzesstelle hat der Konsiliarapotheker den Arzneimittelvorrat der Krankenanstalt hinsichtlich der vorschriftsmäßigen Aufbewahrung und Beschaffenheit der Arzneimittel mindestens einmal vierteljährlich zu überprüfen und allfällige Mängel dem ärztlichen Leiter der Krankenanstalt zu melden; diesen hat er ferner in allen Arzneimittelangelegenheiten fachlich zu beraten und zu unterstützen.

Aus gegebenem Anlass wird darauf hingewiesen, dass gemäß diesen gesetzlichen Bestimmungen für eine Bestellung zum Konsiliarapotheker nur solche vertretungsberechtigte Magister der Pharmazie in Betracht kommen, welche überwiegend in einer inländischen Apotheke tatsächlich fachlich tätig sind. Eine Genehmigung der Bestellung eines Pharmazeuten, der keinen pharmazeutischen Dienst im vorstehenden Sinne macht, sondern z.B. ausschließlich oder überwiegend in einer Krankenanstalt ohne Anstaltsapotheke fachbezogen tätig ist, entspricht daher nicht dem Gesetz.

Die Institution eines .Konsiliarapothekers" wurde durch die 2. Novelle zum Krankenanstaltengesetz im Jahre 1974 geschaffen, wobei weder im Bundesgrundsatzgesetz noch in den Ausführungsgesetzen der Länder nähere Bestimmungen über die Vorgangsweise dieser Konsiliarapotheker enthalten sind. Es wäre daher sicher zweckmäßig und im Sinne einer ordnungsgemäßen Durchführung dieser gesetzlichen Bestimmungen, wenn den Konsiliarapothekern bestimmte Richtlinien für ihre Tätigkeit an die Hand gegeben werden könnten.

Von der Österreichischen Apothekerkammer dem Bundesministerium für Gesundheit und Umweltschutz unterbreitete Vorschläge betreffend Richtlinien für den Konsiliarapotheker wurden zum Anlass genommen, entsprechende Richtlinien ha. auszuarbeiten. Diese Richtlinien werden hiermit zur Verfügung gestellt.

Bemerkt wird, dass eine weitgehend gleichartige Durchführung der diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen im besonderen Interesse aller Beteiligten erscheint.


Richtlinien für Konsiliarapotheker

I. Einleitung


1.1. Die vorliegenden Richtlinien haben zum Ziel, die Tätigkeit des Konsiliarapothekers möglichst wirksam zu gestalten. Demgemäß beinhalten diese Richtlinien Anweisungen im Bezug auf die sachgerechte Durchführung der Überprüfung des Arzneimittelvorrates der Krankenanstalten. Weitere im Einzelfall erforderlicherweise zu beachtende Umstände bleiben hievon unberührt.

1.2. Eine unabdingbare Voraussetzung für die einwandfreie Arzneimittelgebarung in den Krankenanstalten ist die ordnungsgemäße und zweckentsprechende Einrichtung und Ausstattung der Räumlichkeiten des Arzneimitteldepots. Die Heranziehung des Konsiliarapothekers als fachlichen Berater bei der Neueinrichtung eines Arzneimitteldepots, bei der Verlegung oder bei 'Sonstigen Änderungen in diesem Bereich ist demnach unerlässlich. Dies gilt ebenso für die entsprechenden Einrichtungen auf den einzelnen Stationen der Krankenanstalt.


II. Kontrolle des Arzneimittelvorrates

2.1. Die Arzneiwaren (Arzneispezialitäten, magistrale Zubereitungen, Arzneidrogen, Tees, Arzneiwirkstoffe) und sonstigen unter entsprechenden Bedingungen im Arzneimitteldepot allenfalls bevorrateten Artikel (z.B. Verbandstoffe, Heilbehelfe, Desinfektionsmittel usw.) sind aus Gründen einer zur periodischen Lagerumwälzung unbedingt notwendigen - optimalen Übersichtlichkeit unterteilt nach ihrer Art, innerhalb dieser wieder alphabetisch und zumindest bei Arzneispezialitäten außerdem differenziert nach den Darreichungsformen zu lagern. Zubereitungen von zeitlich beschränkter Haltbarkeit (Ablaufpräparate) sollen nach Möglichkeit getrennt von den übrigen Arzneimitteln aufbewahrt werden. Sofern dies nicht geschieht, sind Ablaufpräparate bei der Übernahme in das Arzneimitteldepot mit einer entsprechenden auffälligen Kennzeichnung (z.B. Aufkleber) zu versehen. Suchtgifte sind getrennt, unter Sperre und möglichst einbruchssicher aufzubewahren.

2.2. Die Lagerung hat unter Schutz vor Feuchtigkeit und Verunreinigung (z.B. Verstaubung) zu erfolgen. Arzneispezialitäten dürfen im Arzneimitteldepot nur in den entsprechenden Originalverpackungen gelagert werden.

2.3. Eine Lagerung unmittelbar neben Heizkörpern oder anderen Wärmequellen (z.B. Warmluftschächten usw.) sowie unter direkter Sonnenbestrahlung ist zu vermeiden. Die Raumtemperatur ist zwischen 18 und 22°C zu halten und darf 25°C keinesfalls überschreiten. Erforderlichenfalls ist für eine entsprechende Klimatisierung zu sorgen. Die Anbringung von Kontrollthermometern zur Überprüfung der Einhaltung der erforderlichen Temperaturgrenzen ist unerlässlich.

2.4. Arzneimittel, die einer Kaltlagerung (2-4°C) bzw. einer Kühllagerung (6-15°C) bedürfen, sind im Kühlschrank bzw. gegebenenfalls in zwei verschiedenen Kühlschränken zu lagern. Das Einlegen von Kontrollthermometern in die Kühlschrankfächer bzw. - bei getrennter Lagerung - in die jeweiligen Kühlschränke ist unbedingt erforderlich.

2.5. Lichtempfindliche Arzneimittel sind wegen der Gefahr eines raschen Abnehmens ihrer Wirksamkeit bei Lichtzutritt hinsichtlich Einhaltung des Lichtschutzes besonders sorgfältig zu überwachen.

2.6. Die Bestellung von Arzneistoffen, magistralen Zubereitungen und dgl. ist so zu gestalten, dass dabei der jeweilige Bedarf der einzelnen Stationen im Wesentlichen berücksichtigt wird. Die Lieferapotheke kann in diesem Fall bei ihren Abfüllungen bereits eine Anpassung an diesen Bedarf vornehmen. Dadurch sind nicht nur eine ordnungsgemäße Signierung und vorschriftsmäßige Gefäße sowie die Einhaltung allfälliger spezifischer Arzneibuchvorschriften gewährleistet, es können auch Ab- bzw. Umfüllungen im Bereiche der Krankenanstalt selbst - solche sind ebenso wie eine Anfertigung von Arzneizubereitungen tunlichst zu unterlassen - unterbleiben.

Sollte ein Ab- oder Umfüllen derartiger Präparate unumgänglich sein, ist dies unter fachlicher Aufsicht zu bewerkstelligen. Ohne Fachaufsicht ab- oder umgefüllte Präparate sind (wegen Verwechslungsgefahr) vor der Weitergabe einer entsprechenden Kontrolle zu unterziehen. Bei magistralen Zubereitungen, insbesondere bei Infusionen oder Injektionen, ist darauf zu achten, dass die Signatur folgende Angaben aufweist:

      • genaue Zusammensetzung,
      • Herstellungsdatum,
      • Name des Herstellers.
Die Präparate sind auf Überalterung (z.B. Augentropfen, aromatische Wässer usw.) bzw. auf ihre weitere Verwendbarkeit zu kontrollieren. Dabei sind überalterte oder unverwendbare (verdorbene) Präparate (z.B. ranzige Salben, trübe, verfärbte, schwebestoff- oder bodensatzhältige Lösungen bzw. Flüssigkeiten, entmischte Emulsionen u. a. m.) auszusondern.

2.7. Das Abfüllen von Arzneispezialitäten aus Groß- bzw. Klinikpackungen im Bereiche der Krankenanstalt hat nach Tunlichkeit zu unterbleiben. Sollten derartige Abfüllungen unumgänglich notwendig sein, ist strengstens darauf zu achten, dass die Behältnisse für die Teilmengen der aufgeteilten Groß(Klinik-)packungen eine ordnungsgemäße und vollständige Signierung (Name, Stärke, Chargennummer, Lagerbedingungen, gegebenenfalls Ablaufdatum) aufweisen. Eine Abgabe von Teilmengen aus Bündelpackungen kann ohne weiteres auch im Arzneimitteldepot erfolgen.

Im Übrigen ist die Bestellung von Arzneispezialitäten tunlichst so zu gestalten, dass dabei der jeweilige Bedarf der einzelnen Stationen im Wesentlichen berücksichtigt wird. Die Lieferapotheke ist dadurch in die Lage versetzt, bei ihren Abfüllungen bereits eine Anpassung an diesen Bedarf vorzunehmen; weiters ist die einwandfreie Beschaffenheit und Beschriftung der Behältnisse für die Teilmengen der aufgeteilten Groß(Klinik-)packungen hiedurch gewährleistet.

Bei der Weitergabe von Teilmengen an die einzelnen Stationen müssen diese über den vollständigen Beipacktext .der Originalpackung der betreffenden Arzneispezialität in Kenntnis sein.

2.8. Überalterte und nicht mehr registrierte Arzneispezialitäten sind zu eliminieren.

2.9. Verbandstoffe, Heilbehelfe und dgl. sind auf ihre Verwendbarkeit hin zu kontrollieren, insbesondere auf Unverletztheit der Verpackung (zur Gewährleistung der Sterilität bei Spritzen, Einmalkanülen, Kathetern usw.) bzw. Vorhandensein des amtlichen Prüfzeichens (bei Einmalspritzen).

2.10. Bei der Aufbewahrung von Desinfektionsmitteln im Bereich des Arzneimitteldepots ist darauf zu achten, dass keinerlei Beeinträchtigung der übrigen dort befindlichen Artikel (insbesondere z.B. durch Gerüche) eintritt.

2.11. Hinsichtlich der Aufbewahrung feuergefährlicher Stoffe wird auf die diesbezüglichen Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung, BGBI. 11 Nr. 171/1934 (§ 20 Abs. 1, zweiter Satz des Krankenanstaltengesetzes, BGBI. Nr. 1/1957, in Verbindung mit §§ 9 Abs. 2 und 17 Z. 1 und 2 sowie Anhang A Abschnitt I Z. XVII) hingewiesen.

2.12. Die Suchtgiftgebarung der Krankenanstalt ist an Hand der nach § 4 Abs. 2 der Suchtgiftverordnung 1979, BGBI. Nr. 390, laufend zu führenden Aufzeichnungen sorgfältig zu kontrollieren. Die für die Suchtgifte im Arzneimitteldepot und in den Stationen zuständigen Personen sind über die Führung der Aufzeichnungen sowie über die sonstigen in Betracht kommenden einschlägigen Vorschriften eingehend zu informieren.

Fehlmengen bzw. Überbestände und unbrauchbar gewordene Suchtgifte (z.B. Bruchware) sind in den Vormerkungen unter Gegenzeichnung des Konsiliarapothekers mit der zuständigen Person entsprechend auszuweisen. Überbestände und unbrauchbare Suchtgifte sind bis zur nächsten einschlägigen behördlichen Überprüfung aufzubewahren.

Die Suchtgiftvormerkungen sind ab dem Tage der letzten Eintragung mindestens drei Jahre aufzubewahren.

2.13. Die Kartei über die Waren des Arzneimitteldepots ist insbesondere hinsichtlich der ordnungsgemäßen Verbuchung des Zu- und Abganges der Waren zu kontrollieren. Es ist darauf zu achten, dass die Bezugsquelle sowie die Chargennummer der bezogenen Arzneispezialitäten in den Eintragungen aufscheinen, womöglich sollten auch in jenen Fällen, wo die sonstigen Waren Kontrollnummern tragen, diese Kontrollnummern ersichtlich sein. Im Übrigen ist zu überwachen, dass die Von den einzelnen Stationen einlangenden Anforderungen für Arzneimittel usw. mit der Unterschrift des verantwortlichen Stationsarztes versehen sind.

2.14. Bei der Weitergabe der Arzneimittel usw. an die einzelnen Stationen ist dafür zu sorgen, dass keine unbefugten Entnahmen aus den betreffenden Kontingenten möglich sind (z.B. entsprechende versperrbare Behälter).

2.15. Kontrollen, ob das Arzneimitteldepot außerhalb der Ausgabezeiten ordnungsgemäß abgeschlossen ist, sind durchzuführen.

2.16. Es ist dafür zu sorgen, dass im Arzneimitteldepot zumindest eine Österreichische Arzneitaxe 1962 (neueste Ausgabe) und eine Spezialitätenpreisliste des Österreichischen Apothekerverlages aufliegen (Behelfe für die Kontrolle hinsichtlich Lichtschutz und sonstiger besonderer Lagerbedingungen bzw. hinsichtlich zeitlich begrenzter Haltbarkeit).


III. Kontrolle auf den Stationen

3.1. Es ist darauf zu achten, dass sich der jeweilige Stationsbedarf tunlichst nur an einem einzigen Ort der Station (z.B. Dienstzimmer bzw. besser in einem eigenen Raum) befindet und die Aufbewahrung unter Verschluss (versperrbare Medikamentenschränke) erfolgt.

In "klinischer Erprobung" stehende, für die Verabreichung an die Patienten unter persönlicher ärztlicher Verantwortung bestimmte Arzneimittel sind vom übrigen Arzneivorrat der Station getrennt und gegen eine unkontrollierte Entnahme und Anwendung gesichert aufzubewahren. Im übrigen gelten für die Station im wesentlichen die gleichen Bedingungen wie für den Bereich des Arzneimitteldepots und sind auch auf den Stationen die gleichen Kontrollen vorzunehmen.

3.2. Es sind die Ausgänge an Suchtgiften besonders dahingehend zu prüfen, ob bei diesen auch der Patientenname, die verabreichte Menge und das Signum des verordnenden Arztes angeführt sind.

3.3. Angebrochene Durchstichflaschen müssen das Datum der erstmaligen Entnahme aus ihrem Inhalt aufweisen. Der Inhalt darf nur innerhalb von drei Tagen nach der Erstentnahme verwendet werden, zwischendurch hat die Aufbewahrung im Kühlschrank zu erfolgen.

3.4. Eine Wiederverwendung nicht aufgebrauchter Infusionslösungen ist unzulässig. Die in Einzelfällen allenfalls unbedingt erforderliche Zumischung vonn Arzneipräparaten zu Infusionslösungen (Achtung auf Inkompatibilitäten!) hat erst kurz vor der Verabreichung des Infusionsgemisches zu erfolgen. Dabei ist der Zumischanteil mittels Einmalspritze (Durchstechen des Gummistopfens) einzubringen. Ein Öffnen des Infusionsgefäßes zwecks Eingießung des Zumischanteils hat unbedingt zu unterbleiben.

Eine dahingehende Überwachung, dass Abfüllungen und Signierungen auf den Stationen grundsätzlich unterbleiben, ist durchzuführen (kein Abfüllen von z.B. Alkohol oder Wundbenzin in entleerte Durchstich- oder Infusionsflaschen; kein Signieren mittels Klebepflasterstreifen!).

3.5. Im Laboratoriumsbereich der Krankenanstalt sind insbesondere die Reagenzien (hinsichtlich Beschaffenheit) sowie die Testbestecke und Testseren (auf Ablaufdatum) zu überprüfen.


IV. Allgemeines

4.1. Da es erwiesenermaßen nicht so selten vorkommt, dass z.B. Arzneimittel unverwendbar werden, weil bei wenig gebrauchten Präparaten Klinikpackungen angeschafft worden sind, oder dass Überbestände an' Arzneimitteln usw. auf den einzelnen Stationen, aber auch im Arzneimitteldepot selbst lagern, sollten im Sinne einer ökonomischen Arzneimittelgebarung im Einvernehmen mit den leitenden Stellen der Krankenanstalt arten- und bedarfsgerechte Verzeichnisse über die in der Krankenanstalt laufend verwendeten Arzneimittel und sonstigen Artikel (Verbandstoffe, Heilbehelfe usw.) erstellt werden.

4.2. Das mit der Arzneimittelgebarung der Krankenanstalt befasste Personal ist periodisch über anstehende fachliche Belange und Erfordernisse in geeigneter Weise zu unterrichten.

4.3. Der Ablauf und das Ergebnis der im Sinne dieser Richtlinien durchgeführten Überprüfungen sind in einer detaillierten Niederschrift festzuhalten. Die Niederschrift ist dem ärztlichen Leiter der Krankenanstalt nachweislich zur Kenntnis zu bringen, und es sind der Leitung der Krankenanstalt nach Möglichkeit Vorschläge und Anregungen für die Beseitigung dieser Mängel zu unterbreiten.

Hiebei sollten zweckmäßigerweise auch fachliche Informationen hinsichtlich der bei der Anwendung bestimmter Arzneimittel in Betracht kommenden spezifischen Fakten (Risken und dgl.) erteilt werden bzw. wäre auch eine fachliche Beratung über neu registrierte Arzneispezialitäten durchzuführen.