Sie bringen viel´ Geschenke, an Weihrauch, Myrrhen, Gold…
 
Schon im Altertum kostbare Heilmittel
 
Die Weisen aus dem Morgenland, von denen das Matthäusevangelium berichtet, hatten Geschenke, die heute eher ungewöhnlich erscheinen - abgesehen von Gold. Doch auch Weihrauch und Myrrhe waren zu jener Zeit wertvolle Gaben.

Myrrhe: schon im Altertum ein kostbares Heilmittel
Myrrhe ist der bitter schmeckende, wohlriechende Saft, der aus der verletzten Rinde eines Baumes („Myrrhenbaum“) gewonnen wird. Beim Trocknen kristallisiert er in Form durchscheinender Brocken von weißlicher bis orangeroter Farbe, die beim Verbrennen ätherisches Öl freisetzen und dadurch Duft erzeugen.


Myrrhas Hände werden zu Zweigen.
(Myrrhenzweig) Ovid, Met. X, 493-494
Die Stammpflanze (Commiphora molmol, Burseraceae - Balsambaumgewächse) die bis heute fast ausschließlich in den Bergländern Südarabiens, Somalias und Abessiniens/Äthiopiens gedeiht, ist ein kleines Bäumchen, das kaum 3 m hoch wird, mit kleinen Blättern und rispenartigen Blütenständen.

Der Name stammt aus dem arabischen :"Murr" bedeutet bitter und bezeichnet den bitteren Geschmack der Myrrhe. Smyrna (auch Zmyrna), die Tochter Königs Kinyras von Zypern heißt auch Myrrha. In der griechischen Mythologie wird sie wegen Inzests mit ihrem Vater in einen Myrrhenbaum verwandelt. Ihre Tränen werden zu dem wertvollen Harz des Baumes. Nach neun Monaten öffnet sich der Baum und Adonis wird geboren (Ovid, Metamorphosen X, 488-519 „Myrrha Adonidem parit. - Myrrha, vom Vater schwanger, gebiert Adonis“) .


Zusammensetzung der Myrrhe:
Ätherisches Öl: 2-10 %, zum Großteil Sesquiterpene.
Harz: Phenole, Triterpene, Proteine, Schleime.
Wasserlösliche Gummen: 30-60 %.

Gewinnung:
Nach Verletzung der Zweige und Stämme tritt ein Gummiharz aus, das getrocknet wird (Myrrha).

Offizinell, also im Arzneibuch angeführt:
Myrrha
Tinctura Myrrhae

Als Heilmittel sowie zum Salben von Priestern und Einbalsamieren von Toten ist das kostbare Harz (die Gewinnung sowie der Handel mit Weihrauch und Myrrhe bildete die Grundlage für den sagenhaften Reichtum der Sabäer und Minäer) schon seit dem Altertum bekannt. In der Bibel wird Myrrhe mehrmals genannt. Das Evangelium nach Matthäus (2,1-12) spricht von Weisen, die aus dem Morgenland kamen, um dem neugeborenen König der Juden Gold, Weihrauch und Myrrhe zu bringen. Auch im Alten Testament wird die Myrrhe häufig erwähnt.

Allerdings schon 800 Jahre vor Moses Lebzeiten wird im Gilgamesch-Epos berichtet, dass der Urahn aller Menschen - Utnapischti - sich bei den Göttern für die Rettung aus der Sintflut mit einem Rauchopfer bedankte, das aus Zeder, Süßholz und Myrrhe bestand.

Auch zum Würzen des Weins wurde Myrrhe seit alters her benutzt, ähnlich der Beifügung des Harzes der Aleppokiefer zum Wein der griechischen Rebsorten Savatiano und Rhoditis („Retsina“) .

Im alten Rom wurden die Weinkeller und gereinigten Weinfässer mit Myrrhe ausgeräuchert, um den Wein haltbar zu machen.

Wirkung und Anwendung von Myrrhe: Durch den Gehalt an ätherischem Öl besitzt die Droge eine desinfizierende und hautreizende Eigenschaft. Als Tinktur wird sie besonders bei Entzündungen im Mund und am Zahnfleisch verwendet.

Tipp von der Apothekerin: Gegen Zahnfleischentzündungen oder entzündete (Zahnprothesen)-Druckstellen am Gaumen hilft folgendes Rezept: Man gibt einige Tropfen Myrrhetinktur aus der Apotheke in ein Glas lauwarmes Wasser und spült und gurgelt 2 – 3 mal täglich mit dieser Mischung. Zusätzlich kann man auch noch aus der Blutwurz (Tormentill) einen Tee bereiten und 10 Tropfen dieses Tees dem Myrrhe-Gurgelmittel zusetzen. Die Beschwerden verschwinden dann schnell.


Für Zahnfleischpinselungen zu verwenden:
Tinctura Tormentillae 30,0
Tinctutra Myrrhae 50,0
Unverdünnt zum Pinseln bei Zahnfleischentzündung - oder zum Gurgeln bei Hals- und Mandelentzündung 20 Tropfen in ½ Glas lauwarmes Wasser.

Myrrhe ist auch in verschiedenen Arzneispezialitäten (Magentropfen, Schwedenbitter, Mundwässer, medizinische Zahnpasten, "Zahntinktur" für Kinder, Gurgellösungen) enthalten.

Lesen Sie weiter: Gold, Weihrauch und Myrrhe als Heilmittel

Zum Titel: „Sie bringen viel´ Geschenke, an Weihrauch, Myrrhen, Gold…“ lautet die 2. Strophe eines bekannten Sternsingerliedes aus der Steiermark („Es ziehn aus weiter Ferne“).