Valentin und Epilepsie
 
Medikamentöse Behandlung führt zu einem anfallsfreien Leben
 
Der Name Valentin kommt vom lateinischen Wort "valere" und bedeutet "kräftig, gesund, stark sein". Bischof Valentin wurde am 14. Februar 269 enthauptet, weil er heimlich christliche Trauungen vornahm. Vor allem in angelsächsischen Ländern galt Valentin schon lange als Anwalt der Liebenden. Sein Todestag wird seit Beginn der 1950er-Jahre auch bei uns als „Valentinstag“ gefeiert.

Bild: Der hl. Valentin heilt einen Fallsüchtigen
Die volkstümliche Deutung seines Namens (Valentin erinnert phonetisch an fall net hin“) machte den Heiligen im Mittelalter zum Schutzpatron gegen die Fallsucht, die Epilepsie, auch als „Valentins-Krankheit” oder „Valentins-Plage” bezeichnet.

Die Epilepsie, volkstümlich auch „Fras oder Fraisen“ genannt (wobei allerdings früher nicht zwischen epileptischen Anfällen und anderen Anfallsursachen unterschieden wurde, sodass auch Fieberkrämpfe bei Kindern als "Fraisen" bezeichnet wurden) ist eine Funktionsstörung des Gehirns, die durch eine gleichzeitige exzessive Entladung von Neuronen ausgelöst wird. Mit den heute zur Verfügung stehenden modernen Medikamenten lassen sich die Krampfanfälle verhindern. Die antiepileptische Dauertherapie ist aber für viele Patienten ein Problem. Apotheker tragen im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung dazu bei, dass die Betroffenen Vertrauen in die verordneten Medikamente entwickeln. Eine sachliche Aufklärung zu Wirkungen und Nebenwirkungen und eine entsprechende Therapiebegleitung stehen dabei im Vordergrund.

Klassifikation und Therapie von Epilepsien (1)
Nur eine umfassende Eigen- und Fremdanamnese ermöglicht eine Klassifikation der vorliegenden epileptischen Epilepsie und Klärung ihrer Ursache. Dies bestimmt in weiterer Folge die gewählte Therapiestrategie (Medikamente, allenfalls epilepsiechirurgischer Eingriff).

Das Auftreten eines singulären epileptischen Anfalls bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Epilepsie vorliegt. Von dieser spricht man erst, wenn es zum wiederholten Auftreten von Anfällen kommt, bei denen keine provozierenden Faktoren erhebbar sind. Bei den Anfällen wird unterschieden, ob sie von Beginn an beide Hemisphären betreffen (sogenannte generalisierte Anfälle) oder von einem isolierten Herd ausgehen (fokale Anfälle) und sich dann unterschiedlich weit im Gehirn auszubreiten. Die fokalen Anfälle zeigen abhängig von der Lokalisation des epileptogenen Areals sehr vielfältige Semiologien. Deshalb werden diese Anfälle auch weiter unterteilt (mit oder ohne Bewusstseinsverlust, Symptome bei Anfallsbeginn usw.).

Abhängig von der Ätiologie erfolgt eine weitere Unterteilung der Anfälle in idiopathisch, symptomatisch und kryptogen. Bei idiopathischen Anfällen wird eine genetische Ursache angenommen. Bei symptomatischen Epilepsien sind Anfälle ein Symptom einer bekannten die Hirnfunktion beeinträchtigenden Erkrankung. Die Gruppe der kryptogenen Epilepsien umfasst all jene Anfälle, die nach dem heutigen Wissensstand weder als idiopathisch oder symptomatisch eingestuft werden können.

Mit der Pharmakotherapie kann bei konsequenter systematischer Vorgangsweise (initial Monotherapie, bei Versagen alternative Monotherapie und schließlich Kombinations-therapie) bei 70% der Epilepsiepatienten Anfallsfreiheit erreicht werden. Bei Pharmako-resistenz ist die Möglichkeit eines epilepsiechirurgischen Eingriffs zu prüfen, wodurch bei einem beträchtlichen Teil dieser Patienten auch dauernde Anfallsfreiheit erreicht werden kann.

Die Auswahl eines Antiepileptikums richtet sich zunächst nach dem vorliegenden Epilepsiesyndrom. Neben Medikamenten, die bei allen Epilepsieformen eingesetzt werden können, gibt es einige, die nur bei fokalen oder generalisierten Anfällen wirksam sind. Auch können manche Ätiologien den Einsatz bestimmter Antiepileptika verbieten. In den letzten zwei Jahrzehnten kamen zahlreiche neue Medikamente gegen Anfälle zum Einsatz, wodurch die therapeutischen Möglichkeiten deutlich erweitert wurden und welche sich teilweise durch geringe Nebenwirkungen und hohe Effizienz auszeichnen. Nach wie vor wird zwischen sog. alten und neuen Antiepileptika unterschieden und deren Rangfolge im Behandlungsplan beschrieben. Bei Therapieresistenz stehen alternative Behandlungs-methoden zur Verfügung, von denen sich der epilepsiechirurgische Eingriff mittlerweile etabliert hat und durch den vor allem Patienten profitieren, deren Anfälle vom Schläfenlappen ausgehen.

(1) Quelle:
Univ.-Prof. Dr. Eva KÖRNER
35. Wissenschaftliche Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer zum Thema „Neurologie und Psychiatrie“ in Saalfelden