 |
Jeden Mittwoch in der Fernsehsendung "Willkommen Österreich" (Beginn 17.05 im FS 2):
Die Arzneimittel-Expertin, Apothekerin Mag. Barbara Haase.
Wenn Sie Fragen an unsere Apothekerin haben, schreiben Sie dem ORF
ORF, Willkommen Österreich
1136 Wien, Kennwort "Apothekerin" |
|
Termine und Themen Mai 2004
| Mittwoch, 05.05.04 |
Gingko
In Europa ist er bereits ein Kultbaum - der Ginko, auch Entenfußbaum oder Fächerblattbaum genannt, aus Ost-Asien. Der Gingko-Extrakt soll unserem Gedächtnis wieder auf die Sprünge helfen.
Was sagt unsere Apothekerin Mag. Barbara Haase dazu?
Inhaltsstoffe sind die Flavonolglykoside
Es werden standardisierte Spezialextrakte wegen ihrer Verminderung der Plasmaviskosität, wegen der Hemmung der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) - und der Thrombozytenaggregation verwendet, wodurch die Gefäße erweitert werden und die Durchblutung im peripheren und zerebralen Bereich gefördert wird.
Anwendungsgebiete in Form von Tabetten oder Tropfen sind: zerebrale Mangeldurchblutung und Mangelernährung, Hirnleistungsstörungen, die Symptome der nachlassenden intellektuellen Leistungsfähigkeit. Auffälligkeiten wie Schwindel, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Sehstörungen, aber auch depressive Verstimmungen, Gedächtnisschwäche und Ängstlichkeit gehören auch dazu.
Meist wird mit 3 x tägl. 1 Tabl. über 8-12 Wochen begonnen, die Anschlusstherapie liegt bei 2 x tägl. 1 Stk. wenn nötig; alles abhängig vom jeweiligen Präparat.
Wechselwirkungen sind soweit keine angegeben, Nebenwirkungen können sein: Schwindel, Schlafstörungen, Hitzegefühl, Kopfschmerzen.
Es gibt einen Test, der auf Erfahrungen der Gedächtnisambulanz am AKH Wien beruht, mit dem eine Selbsteinschätzung bzgl. eines eventuellen Abbaus betreffend das Kurzzeit-Gedächtnis oder schon Langzeit-Gedächtnis möglich gemacht wird.
Die Grenze von einfacher Vergesslichkeit und dem Beginn eines demenziellen Abbauprozesses ist fließend, kann aber mit dem Testverfahren erfasst werden.
Die Fragen sind in einzelne Abschnitte aufgeteilt, wobei die Antworten eine grobe Einschätzung von
* von Gedächtnis und Denkvermögen
* von Sozialkompetenz
* von körperlicher und psychischer Stabilität
* eventuell vorliegender Multiinfarktfolgen
* von depressiven Anzeichen
* und vom möglichen Beginn einer Alzheimer-Demenz geben können.
Bei einer Vorstufe von Alzheimer "Mild Cognitive Impairment" lassen sich Gedächtnis- und Denkvermögen nachweislich durch EGb 761 verbessern. Selbstverständlich ist eine ärztliche Betreuung bei der Indikation Alzheimer stets gegeben.
Quelle: "Hunnius - Pharmazeut. Wörterbuch Auflage 6"
"Austria-Codex_Fachinformaion"
"ÖAZ-Aktuell- Ausgabe 2/2002"
|
| Mittwoch, 12.05.04 |
Sportverletzungen
Das Marathon-Fieber greift wieder um sich. Es wird eifrig trainiert - manchmal falsch oder zu viel. Verletzungen bleiben leider nicht aus.
Kleinere Verletzungen kann jeder selbst einfach behandeln. Im Zeifelsfall sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Was jeder selbst tun kann, das wird unsere Apothekerin Mag. Barbara Haase erklären.
SPORTVERLETZUNGEN: Tipps von Mag. Barbara Haase
Es gibt die verschiedensten Formen der Sportverletzungen. Zu den sogenannten "Stumpfen Verletzungen" zählen Prellungen. Quetschungen, und Blutergüsse.
Allerlei Sportsalben sind vielen bekannt, was tun, was bewirken sie?
Hervorheben möchte ich Inhaltsstoffe wie z. B. die "essigsaure Tonerde". Die Wirkung beruht auf der Reaktion mit dem Eiweiß der obersten Gewebsschicht. Die Lösung wirkt in weiterer Folge entzündungshemmend, adstringiernend und leicht anitseptisch. Ganz besonders geeignet bei Schwellungen, Verstauchungen und Quetschungen.
Kombinationen mit Heparin, ätherischen Ölen, und z. B. Salizylsäure sind bei schmerzhaften Schwellungen und Blutergüssen nach Verstauchungen, Zerrungen, Muskelverspannungen, schmerzhaften und entzündlcihen Reizzuständen am Stütz- und Bewegungsapparat wie z. B. nach sportlicher Überanstrengung wie der "Tennisarm" angezeigt.
Solche Kombinationen wirken der Bildung und Vergrößerung von Blutgerinnseln entgegen, sie fördern die Rückbildung bestehender Gerinnsel, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe können besser wieder aufgesaugt werden, die Salizylsäure wirkt entzündugnshemmend, die kieselsaure Tonerden adsorbieren Ausscheidungen durch die Haut und wirken kühlend.
Menthol wirkt in bestimmten Konzentrationen lokalanästhesierend an den Nervenendigungen der Haut und gleichzeitig wirkt es kühlend.
Salben mit "Aescin" - aus der Kastanie - wirken abschwellend, schmerzstillend und kühlend.
Pasten werden messerrückendick aufgetragen und zweckmäßig mit einem Leinentuch oder Mulltupfer abgedeckt.
Wichtig bei Sportsalben mit Kombinationen dieser Art. Bitte: nicht bei offenen Wunden, bei Krampfadern nicht einmassieren, bei Schwangerschaft z. B. nicht über längeren Zeitraum großflächig anwenden.
Linderung bei stumpfen Verletzungen bringen auch pflanzliche Präparate.
Prellungen, Quetschungen und Blutergüsse sind sogenannte "stumpfe" Verletzungen, die besonders häufig als Sportverletzungen auftreten. An pflanzlichen Arzneimitteln kommen dabei vor allem Arnikablüten, Beinwellkraut und Johanniskrautöl zur Anwendung.
Wie groß die Wertschätzung in der Volksmedizin für Arnikablüten ist, läßt sich schon aus dem in Deutschland traditionellen Namen "Bergwohlverlei" ersehen. Allerdings steht Arnika derzeit unter Naturschutz - in der Apotheke gibt es aber Präparate, die aus geeigneten Gebieten stammen.
Zur Behandlung von Sportverletzungen ist sowohl die klassische Homöopathie als auch die Homotoxikologie geeignet. In der klassischen Homöopathie gibt es einige Einzelmittel, die sich als die "großen" Verletzungsmittel etabliert haben.
Arnica montana (Arnika, Bergwohlverleih) wird vor allem bei akuten Verletzungen sowie bei Folgen von Verletzungen mit Blutungen z.B. Schürf- und Schnittwunden eingesetzt.
Hypericum perforatum (Johanneskraut) ist das klassische Mittel, das bei Nervenschmerzen angewandt wird. Meist werden Nerven durch stumpfe Verletzungen (Verletzungen durch Handwerkzeuge, Fußballspielen etc.) "beleidigt". Dann kann Hypericum perforatum gut Abhilfe schaffen.
Echinacea purpurea (Roter Sonnenhut) wird vor allem bei schmerzhaften, geröteten Muskelschwellungen eingesetzt.
Symphitum officinale (Gemeiner Beinwell) hilft bei der Abheilung von Knochenbrüchen.
Hamamelis virginiana (Virginische Zaubernuss) trägt zu einem rascheren Abklingen von Blutungen bei.
Bellis perennis (Gänseblümchen) ist ein wichtiges Wundheilmittel und wird vor allem bei Verletzungen oder Überanstrengung der Muskeln eingesetzt.
Alle diese Einzelmittel haben über Jahre hinweg hervorragende Dienste bei Verletzungen geleistet. Durch die Anregung der körpereigenen Selbstheilungskräfte kann auch bei chronischen Leiden mit einer Besserung, wenn nicht sogar mit einer Ausheilung der Beschwerden, gerechnet werden.
Es gibt auch für VOR dem Sport Gele oder Lösungen, die auf Grund Ihrer besonderen Zusammensetzung von unter anderem ätherischen Ölen wie Rosmarinöl die Durchblutung fördern. Dies ist auch nach dem Sport zu empfehlen!
Aber selbstverständlich löst nichts die richtige Vorbereitung wie Aufwärmen, Dehnübungen und richtiges Training vor und nach der Trainigseinheit ab.
|
Mittwoch, 19.05.04
|
Hausapotheke
Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Hausapotheke kontrolliert, wie alt sind die Kopfschmerztablette und Desinfektionsmittel? Und wissen Sie bei allen Medikament wofür sie ein zu setzen sind? Mag. Barbara Haase zeigt, was alles in eine Hausapotheke gehört.
In einer Hausapotheke sollte vorhanden sein:
Verbandsstoffe, Pflaster, ein Desinfektionsmittel darf nicht fehlen, auch nicht das Fieberthermometer und einfache Schmerzmittel. Empfehlenswert sind auch Mittel gegen Erkältungskrankheiten, Halsschmerzen und Durchfall. Leben Kinder im Haushalt, dann gehören auch Fieberzäpfchen, Glucose-Elektrolytpräparate für Durchfallerkrankungen und ein Mittel gegen Blähungen dazu. Wer bestimmte Medikamente einnehmen muss, sollte einen kleinen Vorrat davon zu Hause haben.
|
| Mittwoch, 26.05.04 |
Die richtige Einnahme von Medikamenten
Am Beipacktext steht zwar wie Medikamente eingenommen werden sollen, doch so genau sind die Angaben dann doch nicht. Zum Beispiel "mit Wasser einnehmen" - ist eine dehnbare Angabe. Mag. Barbara Haase erklärt heute die richtige Einnahme von Medikamenten.
Tipps von Mag. Haase:
Man soll beim Einnehmen einer Tablette 1 Glas Wasser trinken.
Warum genügt nicht nur 1 Schluck Wasser? Die eine Gefahr ist, dass die Tablette an der Speiseröhre, oder an der Magenwand kleben bleibt und dadurch kann es zu schweren Schädigungen der jeweiligen Schleimhaut kommen. Beispiel wären die "Biphosphonate" (Einnahme bei Osteoporose). Bei Kindern weiß man, dass sie gerne die Tablette in die Wangentasche legen, die Tablette beginnt bitter zu werden und daraufhin weigern sich die Kinder unter anderem die Tablette nicht mehr einzunehmen. Auch da kann mit einem ganzen Glas Wasser diesem Problem vorgebeugt werden. Je mehr Wasser sie trinken, umso weniger leicht können die Kinder die Tablette im Mund behalten. Der zweite allgemeine Grund ist, dass die Tablette ja gelöst werden muss, um möglichst rasch die Magenpassage zu durchwandern, um in den Darm zu gelangen oder um gleich über die Magenschleimhaut und von dort in die Blutbahn aufgenommen zu werden, um an den jeweiligen Wirkort zu gelangen.
Deswegen ist es auch wichtig die Angaben ob, VOR, WÄHREND oder NACH einer MAHLZEIT die Einnahme stattfinden soll.
VOR heißt: 30 Min. VOR der MAHLZEIT, und NACH heißt: 30 min. NACH der MAHLZEIT.
Durch die orale Gabe kann es aber zu Irritationen der Magenschleimhaut kommen. Das macht magensaftresistente Überzüge notwendig. Filmtabletten haben meist einen entsprechenden Überzug - Film. Kommen wir damit zur richtigen Teilung einer Tablette. Prinzipiell gilt: teilen sie nichts ohne Rücksprache! In manchen Fällen kann man in der Gebrauchsangabe über die mögliche Teilung lesen, aber meist nicht. Bei einer Filmtablette hat der Film unterschiedliche Aufgaben. Entweder dient der Film zur Stabilität wegen der Luftfeuchtigkeit, oder/und zur Geschmacksaufbesserung, oder er ist magensaftresistent, womit die Gefahr der frühzeitigen Auflösung oder gar Zerstörung des Pharmakons im Magen vorgebeugt werden kann. In diesem Fall darf eine Filmtablette nicht geteilt werden, wenn sie keine Bruchrille hat. Teile ich eine derartige Tablette ohne Bruchrille, wird der Film zerstört, die Tablette wird bereits von der Magensäure, vom sauren Milieu angegriffen und zerstört, und die volle Wirkung kann damit kaum noch gegeben sein.
Teilen einer Tablette: Auch wenn eine Bruchrille vorliegt bedeutet es nicht, dass sich eine Tablette gut teilen lässt. Die feinmotorischen Fähigkeiten müssen es zulassen und die Einnahmetreue darf dadurch nicht leiden.
Die Industrie bietet zahlreiche Gerätetypen zur Tablettenteilung an. Wichtig ist, dass die Teilung zügig und mit voller Stärke durchgeführt wird. Wenn nur ein Messer zur Hand- ebenfalls zügig und mit voller Stärke. Oft ist durch falsche Teilung ein Wirkstoffverlust von bis zu 10 % gegeben.
Kapseln dürfen nur geteilt werden, wenn sie Pellets enthalten. Bei Pulver dürfen sie nicht geöffnet werden. Pellets sind mit einem Schutzfilm umhüllt.
|
Zum Sendungsarchiv:
Alle Beiträge der Willkommen Österreich Apothekerin finden Sie hier
auf unserer Homepage. Klicken Sie bitte im linken Frame auf "Themenbereiche"
und wählen Sie dann bitte die Rubrik
"Die Fernsehapothekerin in Willkommen Österreich". |